Beitrag Mo 24. Sep 2012, 14:08

01. Allgemeine Informationen

Der Fiero verfügt über eine hydraulische Bremsanlage mit Scheibenbremsen an allen Vier Rädern. Wird das Bremspedal betätigt, werden im Hauptbremszylinder zwei Kolben - einer für die Vorderräder sowie einer für die Hinterräder - in einer Zylinderbohrung vorwärts bewegt. In den Zylindern befindet sich die Bremsflüssigkeit, welche über ein Leitungssystem mit Bremszylindern in den Bremssätteln der jeweiligen Räder verbunden ist. Der ausgeübte Druck wird somit auf die Bremskolben an Rädern übertragen. Der Kolben befindet sich auf der Fahrzeugzugewandten Seite der Räder und wird auf einen Bremsbelag, welcher dann durch den Kolben auf die Bremsscheibe gepreßt wird. Der Bremssattel, welcher die Bremsbeläge beinhaltet ist 'schwimmend' gelagert, d. h. er kann sich in Längsrichtung zu Achse bewegen. Übersteigt der ausgeübte Druck des Bremsbelages auf die Bremsscheibe ein gewisses Maß, so bewegt sich der Bremssattel zur Fahrzeuginnenseite und drückt somit den 2., äußeren Bremsbelag ebenfalls gegen die Bremsscheibe.

Der Hauptbremszylinder besteht aus Aluminium, auf diesem ist ein Bremsflüssigkeitsreservoir aus Durchsichtigem Kunststoff montiert. Am Gehäuse des Bremsflüssigkeits-Reservoirs ist eine Markierung angebracht, welche den Mindest-Füllstand angibt.

Ein spezielles Kombinationsventil bewirkt ein Öffnen des Bremskreises für die hinteren Räder erst nachdem eine bestimmte Bremskraft anliegt. Dies soll ein vorzeitiges Blockieren der Hinterräder verhindern. Außerdem verfügt dieses Ventil über eine sog. 'Bypass'-Funktion, welche im Falle eines Ausfalls des Bremskreises der Vorderräder die gesamte Bremskraft an die Hinterräder abgibt.

In der Bremsanlage herrscht eine strikte Unterteilung zwischen dem vorderen und -hinteren Bremskreis. So weist auch der Hauptbremszylinder zwei Flüssigkeitsreservoirs auf; jeweils für den vorderen und den hinteren Bremskreis. Tritt ein Defekt an einem der beiden Bremskreise auf, so bleibt der jeweils andere Bremskreis voll funktionsfähig. Ein solcher Defekt in der Bremsanlage wird durch eine Lampe in der Armaturentafel angezeigt. Festgestellt wird der Defekt durch einen sog. Differenzdruck-Sensor. Dieser vergleicht den in den beiden verschiedenen Bremskreisen herrschenden Druck. Wird hierbei ein deutlicher Druckunterschied festgestellt (z. B. aufgrund eines Leckage in einem der Kreise), so wird hierdurch die beschriebene Lampe in der Armaturentafel angesteuert. Evtl. in der Bremsanlage vorhandene Luftblasen werden durch das Kombinationsventil erkannt und führen ebenfalls zum Aufleuchten der Störungslampe. Wurde eine Störung in der Bremsanlage erkannt, so bleibt die Lampe solange eingeschaltet, bis nach erfolgfeicher Instandsetzung der Bremsanlage ein Druck von ca. 450 psi in der Bremsanlage erkannt wird.

Ein Bremskraftverstärker, welcher zwischen Hauptbremszylinder und vorderer Spritzwand eingebaut ist, erleichtert das Betätigen des Bremspedals. Der Bremskraftverstärker arbeitet mit Unterdruck, dieser wird entweder dem Saugrohr des Motors entnommen oder durch eine spezielle Unterdruckpumpe produziert. Außerdem verfügt der Bremskraftverstärker einen elektronischen Schalter, welcher Störungen erkennen kann. Störungen sind hier z. B. zu geringer Unterdruck oder Fehlfunktionen der Unterdruckpumpe. Eine hier aufgetretene Störung führt ebenfalls zum aufleuchten der Bremssystem-Fehler-Lampe in der Armaturentafel.

Die Handbremseinrichtung wirkt über ein Kabelsystem auf die Hinterräder. Betätigt wird die Handbremse durch einen sog. RatschenHebel, welcher sich zwischen dem Fahrersitz und der linken Tür befindet. Die Kontrolleuchte für die Handbremse wird durch einen elektrischen Schalter betätigt, welcher direkt am Handbremshebel angebaut ist.

Nachdem irgendwelche Service-Arbeiten an der Bremsanlage durchgeführt oder Teile der Bremsanlage demontiert wurden, ist mit dem Fahrzeug in jedem Fall eine Probefahrt zu unternehmen, bevor das Fahrzeug wieder im normalen Fahrbetrieb bewegt wird. Die Probefahrt sollte auf sauberer, trockener und ebener Straße erfolgen. Andere Bedingungen, wie z. B. nasse Straßen, können das Meßergebnis verfälschen. Außerdem üben die Reifen, der Beladungszustand des Fahrzeugs sowie die Radeinstellung ebenfalls starken Einfluß auf das Bremsverhalten aus. Das Bremsverhalten sollte zunächst bei geringer Geschwindigkeit ausgetestet werden, die Geschwindigkeit sollte dann vorsichtig gesteigert werden. Ebenfalls sollte das Bremspedal sowohl stark als auch weniger stark durchgetreten werden. Bei den Bremsversuchen darf das Fahrzeug nicht zur Seite ziehen. Außerdem sollte kein Blockieren der Räder bei den Bremsversuchen provoziert werden, da die Reifen hierdurch übermäßig stark strapaziert werden.

Die gelbliche Flüssigkeit in der Bremsanlage ist u. a. eine Mischung aus Glykol und Polyglykoläther. Sie greift die Metall- und Gummiteile der Bremsanlage nicht an und bleibt selbst bei Temperaturen unterhalb von -40°C noch ausreichend dünnflüssig. Trotz ihrer Dünnflüssigkeit weist die Bremsflüssigkeit einen extrem hohen Siedepunkt auf, dieser liegt bei ca. 260°C.

Aber die Bremsflüssigkeit hat auch unangenehme Eigenschaften: Sie ist zum einen giftig und gegenüber Autolack extrem aggressiv. Besonders gefährlich ist eine weitere Eigenschaft der Bremsflüssigkeit: Sie nimmt gerne Wasser auf, d. h. sie ist 'hygroskopisch'. Wasser (oder besser Luftfeuchtigkeit) kann über den Ausgleichbehälter sowie durch mikroskopisch kleine Undichtigkeiten an den Bremsschläuchen oder den Gummimanschetten in die Bremsflüssigkeit gelangen. Hierdurch kann Korrosion an den Metalleitungen der Bremsanlage auftreten.

Außerdem bewirkt das Wasser ein Absenken des Siedepunkts der Bremsflüssigkeit. Dies kann bei starker Beanspruchung der Bremsanlage (z. B. bei Fahrten im Gebirge oder mit Anhänger) zu gefährlichen Situationen führen, da die Bremsflüssigkeit sich hierbei stark aufhitzt. In der Nähe der erhitzten Bremsen können sich Dampflasen in der Hydraulikflüssigkeit bilden, welche sich (im Gegensatz zu der Flüssigkeit) zusammenpressen lassen - Das Bremspedal muß stärker betätigt werden, oder man tritt schlimmstenfalls sogar 'ins Leere'. In diesem Fall kann evtl. mehrmaliges schnelles Betätigen des Bremspedals (pumpen) helfen. Besonders gefährlich ist dieser Effekt nach dem Abstellen des Wagens nach starker Beanspruchung. Mangels Fahrtwind heizt sich die Umgebung der Bremsanlage noch stärker auf; die höchste Temperatur herrscht nach ca. 15 Min. Standzeit. Erst nach ca. 30 Min. ist wieder die normale Temperatur erreicht. Vorbeugend schreibt der Wartungsplan daher den Wechsel der Bremsflüssigkeit spätestens alle 2 Jahre vor. Ein kürzeres Wechselintervall ist jedoch ratsam.

Die Bremsflüssigkeit muß mindestens der Spezifikation DOT-3 entsprechen (z. B. DELCO SUPREME 3). Qualitativ hochwertigere Bremsflüssigkeiten, welche der Spezifikation DOT-4 entsprechen, lassen sich gefahrlos mischen. Von der Verwendung von Bremsflüssigkeiten zweifelhafter Herkunft (z. B. Sonderangebote aus Baumärkten) wird tunlichst abgeraten.