Beitrag So 23. Sep 2012, 09:48

02. Der Zentralrechner und dessen Fehlercodes

Der Zentralrechner besteht neben der eigentlichen Steuereinheit (ECM, electronic control module) aus neun verschiedenen Sensoren im Motorraum, welche den Zustand verschiedener Motoreinheiten überwachen und an den Zentralrechner übermitteln (Siehe Abb. 2.1).

Prinzipiell könnte man das Steuersystem im Fahrzeug mit dem Nervensystem des Menschen vergleichen: Sensoren (Nervenanden) liefern ständig Informationen über den aktuellen Betriebszustand an den Zentralrechner (Gehirn), dieser verarbeitet die Informationen und leitet daraus Steuerbefehle ab, welche an die verschiedenen Aktoren (Körper) übertragen werden.

Hier ein konkretes Beispiel, wie der Steuerrechner arbeitet: Eine Lambda-Sonde, welche im Abgaskanal eingebaut ist, überwacht ständig den Sauerstoffgehalt im Abgasgemisch. Entspricht der Sauerstoffgehalt nicht den gewünschten Wert, wird ein elektrisches Steuersignal an den Zentralrechner gesandt. Dieser wertet die Information aus und berechnet ein Luft-/KraftstoffMischungsverhältnis, welches für die Steuerung der KraftstoffEinspritzanlage verwandt wird. Das Endergebnis besteht in einem Kraftstoff/Luft-Gemisch, welches auch bei wechselnden Betriebsbedingungen konstant gehalten wird.

Der Naheliegende Verdacht, das ein System mit Steuerrechner und elektronischen Sensoren nur schwer zu warten oder reparieren sei, muß sich nicht unbedingt bestätigen. Durch die SelbstDiagnosefähigkeit des Systems in Verbindung mit der "Service"-Lampe in der Instrumententafel ist die Steuerelektronik in der Lage, den Fahrer während des Betriebs auf Fehlfunktionen im System hinzuweisen; Dies geschieht durch die blinkende "Service"-Lampe. Viel entscheidender ist allerdings, das der aufgetretene Fehlercode, welcher Aufschluß über den Ursprungsort des Fehlers gibt, gespeichert wird und in einem speziellen Diagnosemodus ausgelesen werden kann. Um die Fehlerinformationen) auszulesen, wird nur ein kurzes Stück abisolierter Draht benötigt. Sollte dies nicht greifbar sein, hilft im Notfall auch eine (vom Kunstoffmantel befreite) Büroklammer weiter.

Um in den Diagnosemodus zu gelangen, sind die Klemmen A und B des Diagnose-Steckers mittels des Drahtstücks (oder Büroklammer) kurzzuschließen. Der Diagnosestecker ist vom Innenraum des Fahrzeugs zugänglich, er befindet sich zwischen den Sitzen in der Mittelarmlehne unter der schwarzen Kunsttoffabdeckung, welche auch den Zigarettenanzünder beherbergt. Kapitel 11 beschreibt den Abbau der Blende.

Ist die Verbindung zwischen A und B hergestellt, muß zunächst die Zündung eingeschaltet werden, ohne jedoch den Motor zu starten; Das Steuersystem ist nun im Diagnosemodus. Die 'Service'-Lampe wird nun 3 mal nacheinander einen Code 12 anzeigen. Die Darstellung der Codes geschieht durch verschieden lange Blinkimpulse der Lampe, aufgeteilt in 10er und l er Stellen des Fehlercodes. Die 10er Stellen werden durch eine ca. 1 Sek. eingeschaltete Lampe, gefolgt von einer ca. 1 Sek. lange Pause, die ler Stellen durch eine 1/2 Sek. angeschaltete Lampe, gefolgt von einer ca. 1/2 Sek. lange Pause signalisiert. Nachdem Code 12 insgesamt 3 mal angezeigt wurde, werden die evtl. gespeicherten Fehlercodes nach obigem Schema übermittelt. Erscheint wieder Code 12, ist die Übertragung abgeschlossen.
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Sensoren / Aktoren bei Fahrzeugen mit V6-Maschine

Ermittelt der Zentralrechner eine Fehlfunktion, so wird diese Information gespeichert. Ist der Fehler von sporadischer Natur, so verlischt die 'Service'-Lampe 10 Sek. nachdem das Fehlverhalten nicht mehr festgestellt werden konnte, dennoch wird auch dieser Fehlercode gespeichert, bis die Versorgungsspannung des Zentralrechners für mehr als 10 Sek. unterbrochen wird. (Masseanschluß der Batterie abklemmen oder Sicherung des Steuerrechners (ECM) aus dem Sicherungskasten im Fußraum des Fahrers für mehr als 10 Sek. herausziehen). Diese Prozedur sollte immer durchgeführt werden, nachdem eine aufgetretene Fehlfunktion behoben wurde.


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Der Fertigungsstraßen- Kommunikations- Anschluß (ALDL, Assembly- Line- Diagnostic- Link).

Die Klemmen A und B stellen den Diagnose- Anschluß dar.

Achtung: Um Schäden am Zentralrechner zu vermeiden, muß beim Abklemmen der Batterie die Zündung ausgeschaltet sein. Nachfolgend eine Liste der gängigen Fehlercodes, welche durch den Zentralrechner ausgegeben werden. Außerdem werden erste, einfache Lösungsansätze und mögliche Fehlerquellen beschrieben. Sollte das Problem trotzt Reparaturversuch noch bestehen, ist auf jedem Fall die qualifizierte Hilfe einer Fachwerkstatt in Anspruch zu nehmen.

Anmerkung: Die nachfolgend beschriebenen Fehlercodes gelten nur im Zusammenhang mit dem original-Steuerrechner und -PROM. Sollte bei dem jeweiligen Fahrzeug eines der beliebten (und fragwürdigen) 'Tuning'-EPROM zum Einsatz gekommen sein, kann die Belegung der Fehlercodes möglicherweise deutlich abweichen oder schlimmstenfalls die Anzeige der Fehlercodes durch das jeweilige EPROM erst garnicht unterstützt werden.