Beitrag So 23. Sep 2012, 09:38

07. Abgas-Rückführungssystem

Allgemeine Beschreibung

1 Durch das Abgas-Rückführungssystem wird die Emissionsmenge von Stickstoff-Verbindungen, welche durch die hohen Verbrennungstemperaturen hervorrühren, reduziert. Die wichtigste Komponente das Abgas-Rückführungssystem stellt das EGR-Ventil dar (EGR=Exhaust Gas Recirculation, Abgas-Rückführung), welches geringe Mengen das Abgasgemisches wieder in die Brennräume schleust.

2 Das EGR-Ventil wird durch den Unterdruck in der Ansaugbrücke gesteuert. Hat der Motor Betriebstemperatur erreicht, wird das Ventil ganz geöffnet, gleiches gilt, wenn die Leerlaufdrehzahl überschritten wird. Die Menge der rückgeführten Abgas wird durch den Unterdruck in der Ansaugbrücke und den Gasrückstau im Abgassystem geregelt.

3Insgesamt 3 verschiede Typen des EGR-Ventils werden eingesetzt::

-- Positiver Steuerdruck

-- Negativer Steuerdruck (Nur 2,514-Zylinder-Maschine)

-- Magnetventil (mit Verbindung zum Steuerrechner)

Ventil mit positivem Steuerdruck

4 Dieser Ventiltyp besitzt im Inneren eine Membran, welche durch Überdruck ihren Krümmungsgrad ändert und eine am Zentrum der Membran angebrachte Stange verschiebt.

5 Herrscht zu geringer oder kein Unterdruck in der Membrankammer, so bleibt das Ventil für die Abgasrückführung geschlossen. Im Leerlauf oder bei abgeschalteter Maschine ist das Ventil ebenfalls geschlossen.

Ventil mit negativem Steuerdruck

6 Dieser Ventiltyp entspricht vom Aufbau her dem oben beschriebenen, abweichend vom Ventil mit positivem Steuerdruck ist das Ventil, ohne das Druck anliegt geöffnet, bei angelegtem Druck wird das Ventil geschlossen.

7 Dieser Ventiltyp besitzt einen Kanal, über welchen bei nicht vorhandenem Abgasdruck der Rückführungskanal geschlossen gehalten wird.

Magnetventil (mit Steuerrechner-Verbindung)

8 Bei diesem Ventiltyp wird die Menge des rückgeführten Abgasgemisches durch 2 Stellgrößen gesteuer: Dem Unterdruck in der Ansaugbrücke und der Stellung der Drosselklappe.

Magnetventil mit Zentralrechner-Verbindung

9 Dieser Ventiltyp besteht in der Hauptsache aus einer Membran mit Zentral angeordneter Stoßstange jeweils einer Druckkammer ober- und unterhalb der Membran, sowie einer Magnetspule, mittels welcher die Stoßstange unabhängig vom Unterdruck gesteuert werden kann. Außerdem wird die Stoßstange von einer Rückholfeder gehalten, welche das eigentliche Steuerventil im Normalfall geschlossen hält.

10 Die Magnetspule wird vom Zentralrechner mittels Pulsweiten-Steuerung moduliert, somit ist eine recht feinfühlige Steuerung der Abgas-Rückführungsmenge möglich.

11 In dem Ventil befindet sich ein Diagnose-Schaltet, welcher Störungen an diesem ermittelt und einen Fehlercode 32 setzt.

Bild
Zum Uberprüfen des EGR-Vontils die Membrane auf der Gehäuseunterseite mit einen Lappen nach Innen (oben) bewegen - der Motor muß hierbei anfangen zu stottern und absaufen.


Bild
Ablagerungen an der Steuerstange können durch leichtes Klopfen mit einem Gummihammer gelöst werden

Erkennung der unterschiedlichen Ventiltypen

12 Auf der Oberseite des EGR-Ventils ist eine Seriennummer eingestanzt, diese beeinhaltet neben Herstellungsort- und Datum auch den Typ des Ventils.

a) Bei Ventilen mit positivem Steuerdruck steht hinter der Seriennummer ein 'P'.

b) Ventile mit negativem Steuerdruck weisen ein 'N' nach der Seriennummer auf.

c) Magnetventile mit Steuerrechner-Verbindung weisen keinerlei Kennung hinter der Seriennummer auf.

Überprüfen

Nicht mit dem Zentralrechner verbundene Ventile

13 Zunächst das Oberteil (Blechkappe) des EGR-Ventils versuchen zu verdrehen. Läßt sich dieses bewegen, so ist das EGR-Ventil auszutauschen.

14 Weist das Oberteil kein Spiel auf, wie folgt vorgehen: Beim Automatik-Getriebe den Wählhebel auf "Park" stellen, beim Schaltgetriebe Neutral-Stellung (Kein Gang eingelegt). Motor starten und Betriebstemperatur erreichen lassen. Unter Zuhilfenahme eines Lappens die Membrane an der Unterseite des EGR-Ventils nach oben bewegen. Hierbei sollte der Motor anfangen zu stottern und ab einem bestimmten Punkt 'absaufen'. Verändert sich die Drehzahl nicht oder nur unwesentlich, so ist der Steuerkolben des Ventils zu reinigen (S. Abb. 7.31). Prüfvorgang wiederholen, findet noch immer keine Drehzahlbeeinflussung statt, ist das Ventil zu erneuern.

15 Verändert sich die Drehzahl, so ist die Membrane des Ventils zu überprüfen. Hierzu den Motor von ca. 2.000 U/Min. auf Leerlaufdrehzahl absacken lassen. Ist eine Bewegung an der Ventil-Membrane festzustellen, so sollte das EGR-Ventil funktionsfähig sein.

16 Ist an der Membrane keine Bewegung zu ermitteln, so ist der Unterdruck am Steueranschluß des Ventils zu ermitteln. Hierzu erneut die Drehzahl von ca. 2.000 U/Mln. auf Leerlauf absacken lassen. Wird hier ein Vakuum über 6" ermittelt, so ist das Ventil durch ein neues zu ersetzen. Liegt das gemessene Vakuum unter 6", sind die Schläuche zum Ventil zu überprüfen.

Mit dem Zentralrechner verbundene Ventile

17 Die Unterdruckleitungen am EGR-Ventil abziehen. Die Leitung von der Ansaugbrücke auf Unterdruckseite aufstecken, an den anderen Anschluß eine Hand-Vakuumpumpe mit Meßgerät anschließen. Dann die Zündung einschalten und die Steuerstange des EGR-Ventils beobachten. Diese darf sich nicht bewegen.

18 Bewegte sich die Steuerstange bei obiger Untersuchung, so sind nun die elektrischen Anschlüsse am EGR-Ventil zu lösen. Erneut die Zündung einschalten, ohne den Motor zu starten. Bewegt sich auch nun die Steuerstange des Ventils, so ist dieses defekt und muß erneuert werden.

19 Hat sich die Steuerstange des Ventils nicht bewegt, so ist nun eine elektrische Verbindung am Diagnose-Anschluß zwischen den Klemmen 'A' und 'B' herzustellen. Erneut ist die Zündung einzuschalten, ohne den Motor zu starten. Bewegt sich die Steuerstange des Ventils hierbei nicht, so ist das Ventil defekt und muß durch ein Neuteil ersetzt werden.

20 Den Motor anlassen und die Membrane an der Unterseite des EGR-Ventils vorsichtig nach oben drücken. Hierbei ist das Leerlaufverhalten des Motors zu beobachten.

21 Ändert sich die Leerlaufdrehzahl nicht, so muß das Ventil ausgebaut und auf Vestopfungen und Ablagerungen untersucht werden. Lassen sich keine Ablagerungen finden, so muß das Ventil erneuert werden.

22 Wird der Leerlauf instabil, so sind die elektrischen Verbindungen am EGR-Ventil wieder anzubringen. An der Unterdruckseite des EGR-Ventils ein Vakuum-Meßgerät (Unterdruckmeßgerät) anschließen. Dann Motor starten und normale Betriebstemperatur erreichen lassen. Bei Fahrzeugen mit Automatik-Getriebe die Handbremse anziehen und die Fußbremse fest treten. Dann die Fahrstufe ('D') einlegen und die Drehzahl kurzzeitig auf ca. 1.800 u/min bringen. Das Meßgerät (am besten durch eine 2. Person) beobachten. Es sollten mehr als 2, auf jeden Fall aber weniger als 10 inch Unterdruck abgelesen werden können. Danach den Motor abstellen.

23 Liegt der ermittelte Unterdruck unterhalb von 2 inch, so sind die Unterdruckleitungen zwischen Saugbrücke und EGR-Ventil auf Verstopfungen oder Ablagerungen zu überprüfen. Sind die Unterdruckleitungen einwandfrei, liegt evtl. ein Defekt am 'Park-/Neutral'-Schalter vor.

24 Wurde ein Unterdruck von mehr als 10 inch gemessen, so ist der Filter des EGR-Ventils zu erneuern.

25 Lag der ermittelte Unterdruck im Bereich zwischen 2 und 10 inch, so ist das EGR-System voll funktionsfähig.

Austausch

EGR Ventil

26 Lösen der Unterdruckleitung am EGR-Ventil

27 Schrauben- oder Bolzen am Ventilfuß lösen

28 EGR-Ventil herausnehmen

Säubern des EGR-Ventils

29 Die Steuerstange des EGR-Ventils auf Ablagerungen untersuchen.

30 Die Membrane des EGR-Ventils vorsichtig nach oben drücken und den Bereich um die Dichtfläche auf Ablagerungen und Beschädigungen untersuchen.

31 Des Ventil festhaften und mit einem Gummihammer vorsichtig auf die Steuerstange klopfen, um evtl. vorhandene Ablagerungen an der Steuerstange zu entfernen (S. Abb. 7.31).

32 Mit einer geeigneten Drahtbürste evtl. noch vorhandene Ablagerungen am Ende der Steuerstange entfernen.

33 Sind Ablagerungen an der Auslaßseite des Ventils vorhanden, so sind diese mit einem geeignetem Schraubendreher zu entfernen.

34 Haben sich in den Teilen der Ansaugbrücke, durch welche Abgase zurückgeleitet werden, Fremdstoffe angesammelt, so sind die entsprechenden Bereiche gründlich zu reinigen. Hierbei ist darauf zu achten, das keine Reststoffe in der Saugbrücke zurückbleiben, welche Unterdruckleitungen verstopfen oder in die Verbrennungsräume gelangen könnten. Anmerkung: Es ist äußerst sinnvoll, die offenliegende Saugbrücke mit einem Lappen abzudecken, um das Hereinfallen von Fremdstoffen zu verhindern.

35 Mit einem Drahtbürstenaufsatz für die elektrische Bohrmaschine die Dichtfläche der Montageseite säubern.

36 Die Auslaßseite des EGR-Ventils auf Ablagerungen untersuchen. Sind solche vorhanden, so sind diese mit einem geeignetem Schraubendreher zu entfernen.

37 Die Montagefläche des Ventils nochmals gründlich reinigen. Sämtliche Überreste evtl. vorhandenen alten Dichtungsmaterials entfernen.

38 Das EGR-Ventil wieder anbauen. Hierzu ist eine neue Dichtung zwischen Ventil und Anschlußstück am Krümmerrohr zu verwenden.

39 Die Unterdruckleitungen am EGR-Ventil anbringen.

Magnetventil

40 Das Massekabel der Fahrzeugbatterie lösen.

41 Die elektrischen Anschlüsse des Magnetventils lösen.

42 Die Unterdruckleitungen lösen.

43 Den Montagebolzen des Magnetventils lösen und das Magnetventil herausnehmen.

44 Das neue Magnetventil einsetzen und mit dem dazugehörigen Bolzen festziehen. Hierbei ist auf das vorgeschriebene Anzugsmoment zu achten.

45 Die Unterdruckleitungen aufstecken.

46 Die elektrischen Anschlüsse am Unterdruckventil anbringen.

47 Das Massekabel an der Batterie anschließen.