Beitrag Sa 22. Sep 2012, 20:03

06. Zylinderkopf - Reinigen und Untersuchen

1 Nach Reinigung des Zylinderkopf und der Ventilführungen, gefolgt von einer gründlichen Untersuchung kann der Umfang der erforderlichen Überholungsarbeiten festgestellt werden.

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Ein kurzes Stück Schweißdraht, welches auf das entsprechende Maß der Ventilfeder im eingebauten Zustand zurechtgeschnitten wurde, kann als einfaches Maßmittel verwendet werden.


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Aufbau der Ventile bei Fahrzeugen mit Reihenvierzylinder. Beim Zusammenbau ist auf die korrekte Einbaulage des Ventilschaft-Dichtrings zu achten.
1 Haltering
2 Arretierscheibe
3 Ventilschaftdichtung
4 Federteller
5 Feder


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Läßt sich eines der Ventile aufgrund von Ablagerungen oder Grat am Ventilschaft nicht problemlos aus der Führung im Zylinderkopf herausziehen, kann der Ventilschaft vorsichtig mit einer feingekömten Feile bearbeitet werden.

Reinigen

2 Mit einem Dichtungsschaber alle Überreste alten Dichtungsmaterials an der Zylinderkopfdichtung, der Ansaugbrücke und dem Abgaskanal entfernen (S. Abb. 6.2).

3 Haben sich an den Wasserkanälen Ablagerungen gebildet, so sind diese vorsichtig zu entfernen.

4 Mit einer kleinen Drahtbürste die Ölkanäle reinigen, um darin befindliche Ablagerungen zu entfernen.

5 Es ist sinnvoll, mit einen Gewindebohrer sämtliche Bohrungen, welche mit einem Gewinde versehen sind, nachzubearbeiten. Hierbei wird auch eventuell angesammeltes Dichtmaterial o. ä. entfernt. Wenn ein Kompressor vorhanden ist, sollten die Bohrungen vor- und hinterher damit ausgeblasen werden und Fremdkörpern das Gelangen in den Motorinnenleben unmöglich zu gestalten.

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Sämtliche Überreste alten Dichtungsmaterials sind mit einem Dichtungsschaber vorsichtig zu entfernen.

6 Die Haltebolzen des Zylinderkopfs und die Stutzen für Ansaugbrücke und Krümmerrohre säubern und von Überresten der alten Dichtungen befreien. Die Verschraubung der Kipphebel und die Kipphebel mit einer Drahtbürste reinigen.

7 Den Zylinderkopf mit Reinigungslösung auswaschen und trocknen lassen. Ist ein Kompressor vorhanden, so sollten alle Kanäle, Löcher und Bohrungen des Zylinderkopfs hiermit ausgeblasen werden. Hierdurch wird nicht nur die Trockenzeit verkürzt, sondern auch sichergestellt, das keine Fremdstoffe im Zylinderkopf verbleiben.

8 Die Kipphebel, Drehbolzen und Stößelstangen mit Reinigungslösung säubern und mit Druckluft trockenblasen. Die Druckluft beschleunigt den Trockenvorgang und befreit die Ölkanäle von der Reinigungsflüssigkeit.

9 Ventilfedern, Arretierscheiben, Halteringe, Unterlegscheiben u.s.w. mit Reinigungslösung säubern und ordentlich abtrocknen lassen. Hierbei ist der Reihe nach vorzugehen und nur jeweils ein einziges Ventil zu bearbeiten, andernfalls die Gefahr des „Durcheinderbringens" der Ventile oder des Zuebhörs besteht.

10 Starke Verschmutzungen und Ablagerungen, welche sich an den Ventilen angesammelt haben, sind zu entfernen. Dann mit einem Drahtbürstenaufsatz für die elektrische Bohrmaschine Ventilkopf und Ventilschaft von Ablagerungen befreien. Auch hier nur jeweils an einem Ventil arbeiten, andernfalls die Gefahr des Durcheinanderbringens besteht.

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Alle Gewindebohrungen mit einem Gewindeschneider nachbearbeiten - Hierbei wird nicht nur altes Dichtungsmaterial und Ablagerungen entfernt, es wird auch der spätere Zusammenbau des Motors erleichtert. Ausserdem sorgen 'saubere' Gewinde für eine präzisere Ermittlung des Anzugsmoments.

Untersuchung
Kipphebel fr Zubehör

11 Sämtliche Kipphebel sind an den Kontaktstellen zu den Stößelstangen und Ventilen auf übermäßige Abnutzung oder Beschädigung zu untersuchen. Außerdem ist der Bereich des Kippgelenks zu untersuchen.

12 Die Stößelstangen auf Schäden und Verschleißspuren untersuchen. Durch Abrollen der Stößelstangen auf einer planen Oberfläche (z. B. Glasscheibe) kann festgestellt werden, ob die Stangen verbogen (unrund) sind. Ist dies der Fall, so ist die jeweilige Stange durch ein Neuteil zu ersetzen.

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Sämtliche Bohrungen, Löcher und Kanäle im Zylinderkopf sollten nach Möglichkeit mit Druckluft ausgeblasen werden.
Zylinderkopf

13 Den Zylinderkopf sorgfältig auf Risse (speziell zwischen den Ventilführungen und den Abgaskanälen), Ablagerungen in den Kühlwasserkanälen oder anderweitige Beschädigungen untersuchen. Sind Risse oder Leckagen vorhanden, so ist der Zylinderkopf durch ein Neuteil zu ersetzen.

14 Mit einen Stahllineal und einer Fühlerlehre ist die Unterseite des Zylinderkopfes auf Verzug zu Untersuchen. Das Meßergebnis mit den Angaben am Anfang dieses Kapitels vergleichen. Ein verzogener Kopf kann meist noch in einem Fachbetrieb plangeschliffen werden. Müssen hierbei jedoch mehr als 0.010 in (Beim Vierzylinder) oder 0.006 in (V6) Material abgehoben werden, ist der Kopf nicht mehr zu verwenden.

15 Die Ventilsitze in den Brennräumen überprüfen. Sind diese stark abgenutzt oder weisen diese anderwärtige Beschädigungen auf, müssen die Ventilsitze und die Ventile neu eingeschliffen werden. Die Arbeit liegt oftmals außerhalb der Möglichkeiten des Hobbymechanikers, daher sollte ein Fachbetrieb mit der Überarbeitung des Zylinderkopfs und der Ventile beauftragt werden.

Ventilführungen und Ventile

16 Den Innendurchmesser der Ventilführung (jeweils an den Enden und in der Mitte) mit einer geeigneten Mikrometer- Schraube ausmessen (siehe Abbildung). Die gemessenen Werte notieren.

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Mit einem Teleskop-Maßfühler wird der Innendurchmesser der Ventilführungen ermittelt. Dann den eingestellten Wert am Meßfühler mit einem Meßschieber ermitteln.


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Mit einer geeigneten Maßuhr wird das Spiel zwischen Ventil und Ventilführung ermittelt. Hierzu wird die Maßuhr am Zylinderkopf befestigt, der Meßfühler liegt dabei am Ventilschaft an. Dann den Ventilschaft wie im Bild gezeigt in beide Richtungen bewegen.

17 Den Ventilschaftdurchmesser mit einer Fühlerlehre in der Mitte des Schaftes ausmessen (S. Abb. 6.17).

18 Den Ventilschaftdurchmesser vom Innendurchmesser der Ventilführungen subtrahieren. Das Ergebnis entspricht dem seitlichen Ventilspiel.

19 Die berechneten Werte mit den am Anfang des Kapitels angegebenen max. zulässigen Spiel vergleichen. Liegt das Ventilspiel außerhalb des zulässigen Bereichs, so ist das Ventil und / oder die Führung zu erneuern.

20 Die Ventilführungen werden sowohl an den Enden als auch in der Mitte gemessen um festzustellen, ob diese in einem 'glockenförmigen' Muster abgenutzt sind. Dies bedeutet, das die Ventilführung an den Enden stärker als in der Mitte abgenutzt ist. Sind die Ventilführungen in der eben beschriebenen Weise abgenutzt, so muß die Führung zu erneuert oder ersetzt werden.

21 Mit einer Innenmeßuhr kann das Ventilspiel ebenfalls gemessen werden. Hierzu ist das Ventil in die Führung einzusetzen und in ca. 1/8" Abstand vom Ventilsitz seitwärts zu bewegen. Hierbei das seitliche Spiel messen. Das Spiel zwischen Ventilschaft und Ventilführung beträgt die Hälfte des gemessenen Wertes. Liegt der ermittelte Wert außerhalb des maximal zulässigen Bereichs, so ist das Ventil und / oder die Ventilführung zu erneuern.

22 Sämtliche Ventile auf Beschädigungen, Risse oder eingebrannte Stellen untersuchen. Den Ventilschaft auf einer geraden Ebene rollen um festzustellen, ob das Ventil evtl. verbogen ist. Die Enden der Ventilschäfte ebenfalls auf herausgebrochene Stellen oder übermäßigen Verschleiß untersuchen. Sind die eben beschriebenen Beschädigungen aufgetreten, so muß das Ventil durch ein Neuteil ersetzt werden.


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Die Ränder aller Ventile müssen innerhalb des zulässigen Bereichs liegen, andernfalls ist das jeweilige Ventil zu ersetzen.


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6.24a Die Länge sämtlicher Ventilfedern ist mit einem Maßschieber zu überprüfen.


http://www.fieropage.de/Fieropage/Handb ... ture39.jpg
6.24b Mit einem Stahllineal wird überprüft, ob die Federn "gerade" sind. Weisen die Federn eine Krümmung auf, so ist ein Neuteil zu verwenden.

23 Die Höhe des Ventilrandes ausmessen und mit der Werksspezifikation vergleichen. Ist die Höhe des Randes aufgrund von Abnutzung zu gering geworden, ist das Ventil ebenfalls durch ein Neuteil zu ersetzen.

Ventilfedern 8 Zubehör

24 Alle Ventilfadem an den Enden auf Abnutzungserscheinungen untersuchen. Die Länge der ungespannten Feder (wie in Abb. 6.24a gezeigt) ermitteln und mit den Angaben am Anfang dieses Kapitels vergleichen. Ist eine Ventilfeder kürzer als spezifiziert, so ist die Feder 'zusammengesackt' und darf nicht wieder verwendet werden. Die Federn auf eine ebene Oberfläche stellen und auf geradförmigkeit überprüfen.

25 Die Haltescheiben und Gegenmuttern der Ventilfedern auf Brüche, Risse oder anderweitige Beschädigungen oder starken Verschleiß untersuchen. Alle Teile in fragwürdigem Zustand sollten durch Neuteile ersetzt werden, andernfalls kostspielige Reparaturen am Motor die Folge sein können.

26 Stellt sich bei der Inspektiopn heraus, das die Bestandteile des Ventiltriebs generell in schlechtem Zustand oder übermäßig verschlissen sind (oftmals der Fall bei nie zuvor überholten Motoren), so sollten die Ventile wieder in den Zylinderkopf eingebaut werden und mit Abschnitt 7 - Ventile überholen - fortgefahren werden.

27 Ergibt sich durch die Inspektion, das keines der Teile extrem stark verschlissen und Ventile und Ventilsitze in gutem Zustand sind, so können die Bestandteile des Ventiltriebs wieder in den Zylinderkopf eingebaut werden, ohne das größere Überholungsarbeiten erforderlich sind. In diesem Fall sollte bei Abschnitt 8 - Zusammenbau des Zylinderkopfes - fortgefahren werden.