Beitrag Sa 22. Sep 2012, 19:22

17 Kurbelwellenlager und Pleuellager überprüfen

1 Auch wenn die Kurbelwellenlager und die Pleuellager im Rahmen der Motorenüberholung durch Neuteile ersetzt werden, sollten die alten Lager zur weiteren Untersuchung aufbewahrt werden. Anhand des Zustands der Lager lassen sich Rückschlüsse über den Allgemeinzustand des Motor ziehen.

2 Lagerschäden entstehen haptsächlich durch mangelnde Schmierung, dem Vorhandensein von Fremdstoffen im Ölkreislauf, Überlastung der Maschine oder Korrosion. Unabhängig weswegen der Lagerschaden entstanden ist muß die Ursache hierfür bhoben werden, andernfalls das Problem mit großer Sicherheit nach dem Wiederzusammenbau des Motors bereits nach kurzer Zeit wieder auftreten wird.

3 Um die Lager zu überprüfen, müssen diese aus dem Motorblock entfernt werden - Zusammen mit den Hauptlagerschalen, den Pleuelstangen und den Pleuelstangen-Kappen. Die Bestandteile sollten auf einer sauberen Oberfläche an den selben Stellen ausgelegt werden, wie diese im Motor eingebaut sind. Hierdurch wird ein Zuordnen von Defekten am Kurbeltrieb zu den jeweiligen Kolben erleichtert.

4 Schmutz und andere Fremdstoffe können auf unterschiedlichen Wegen in den Motor gelangen. Diese können z. B. beim Zusammenbau der Maschine in dieser zurückgeblieben sein oder durch die am Motor vorhandenen Filter eingedrungen sein. Kleine Metallspäne oder Metallabtrag durch den Motorlauf sind normal. Durch die Motorenüberholung bleiben oftmals Metallpartikel im Motorraum zurück, insbesondere wenn die entsprechenden Stellen nicht ausreichend mit geeigneten Reinigungsmitteln gesäubert werden.

5 Mangelnde Versorgung der beweglichen Motorenteile mit Schmierstoff kann mehrere Ursachen haben. Extreme Erhitzung der Maschine (wodurch der Schmierstoff 'ausgedünnt'wird), Überlastung der Maschine (woduch das Öl aus den Schmierstellen 'herausgequetscht' wird) oder Leckagen (durch zu großes Lagerspiel, abgenutzte Ölpumpe oder hohe Drehzahlen) können zu einem Zusammenbruch der Ölversorgung führen. Blockierte Ölkanäle, z. B. durch falsch montierte Lagerschalen (Ölbohrungen) können ein komplettes Abtrennen eines Lagers vom Schmiersystem bewirken und das Lager innerhalb kürzester Zeit zerstören. Bleibt die Versorgung mit Schmierstoff aus, so wird die Oberfläche der Lager angegriffen und Material abgetragen. Außerdem kann die an diesen Punkten entstehende extreme Überhitzung zur Beschädigung (ausglühen) der jeweiligen Maschinenenteile führen.

6 Die Art und Weise, wie der Motor behandelt wird, haben ebenfalls großen Einfluß auf die Lebensdauer der Lager. Fahrten mit weit geöffneter Drosselklappe und geringer Geschwindigkeit (z. B. beim Schleppbetrieb) bewirken eine hohe Belastung der Lager - Hierbei kann möglicherweise der Ölfilm abreißen und das Lager 'trocken laufen'. Außerdem kann das Lager anfangen 'zu arbeiten', d. h. sich zu verziehen wodurch sich wiederrum Risse in der Lagerschale bilden können. Ständiges Bewegen des Fahrzeugs im Kurzstrecken-Betrieb kann die Lebensdauer des Motors ebenfalls nachteilig beeinflussen: Solange die Öftemperatur unterhalb der Betriebstemperatur von ca. 90°C liegt, können evtl. vorhandenes Kondenswasser sowie korrosionsfördernde Gase nicht von den Lagerstellen wegtransportiert werden. Diese Fremdstoffe sammeln sich im Motorenöl und führen zu Bildung von Ölschlamm. Werden die Giftstoffe nicht regelmäßig entfernt (Ölwechsel), kann ein schwerer Motorschaden die Folge sein.

7 Falsches Einsetzen der Lagerschalen beim Zusammenbau des Motors kann ebenfalls zu schweren Motorschäden führen. Sind die Lager zu fest, reicht möglicherweise die Größe des Ölkanals nicht mehr aus, um das Lager ausreichend mit Schmierstoff zu versorgen. Außerdem können beim Zusammenbau im Motor verbliebene Fremdstoffe (Schmutzpartikel) für ein verstopfen der Ölkanäle sorgen.