Beitrag Fr 21. Sep 2012, 20:42

39. Automatikgetriebe-Flüssigkeit und -Filter wechseln

1 Bevor mit den Arbeiten begonnen wird, muß die entsprechende Menge des für das jeweilige Getriebe erforderlichen ATFs sowie der passende Filter und eine neue Dichtung erworben werden. Weitere Informationen über Füllmengen- und ATF-Typen sind am Anfang des Kapitels nachzulesen.

2 Um eventuell im Getriebeflüssigkeitskreislauf abgelagerte Fremdstoffe zu entfernen, sollte der Flüssigkeitswechsel bei betriebswarmer Maschine erfolgen, d. h. unmittelbar nachdem das Fahrzeug abgestellt wurde. Achtung: Da die Temperatur des ATF im Betrieb mehr als 350°F betragen kann, sollten bei den im folgenden beschriebenen Arbeiten auf jeden Fall temperaturfeste Schutzhandschuhe getragen werden.

3 Das Fahrzeug mittels geeigneter Ständer aufbocken. Ist eine Hebebühne vorhanden, sollte diese genutzt werden.

4 Eine ausreichend große Auffangwanne unter die Ablaßschraube der Automatikgetriebe-Flüssigkeits-Wanne stellen

5 Außer den Bolzen 'A' und 'B' sind nun sämtliche Haltebolzen der Getriebeflüssigkeitswanne zu lösen (S. Abbildung). Anmerkung: Es ist ein spezieller Bolzen zum Lösen einer während der Montage mit RTV- ichtmittel eingeschmierten Dichtung des Turbo- 125C-Automatikgetriebes erforderlich. Ein solcher Spezialbolzen kann relativ einfach selbst hergestellt werden, indem von einem überzähligen Haltebolzen der Getriebeölwanne der Gewindedurchmesser auf 3/16 Inch bis kurz unter den Bolzenkopf verkleinert wird.

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Sämtliche Haltebolzen der Getriebeflüssigkeitswanne (außer 'A' und 'B') lösen SECTION OF BOIT SHANK GROUNOOOWNT03/16 INCH

[imghttp://www.fieropage.de/Fieropage/Handbuch/Kapitel%20A%20Wartung/39.2.jpg][/img]
Den Schaft eines überschüssigen Haltebolzen auf 3/16" abdrehen

6 Den Bolzen 'A' herausdrehen und stattdessen den Spezialbolzen eindrehen.

7 Bolzen 'B' lösen. Mit einem Gummihammer sachte auf die Ecke der Getriebewanne schlagen. Achtung: Unter keinen Umständen darf versucht werden, die Getriebeflüssigkeitswanne aufzustemmen - hierdurch werden mit großer Sicherheit die Wanne oder das Getriebegehäuse beschädigt.

8 Den Spezialbolzen lösen und die Getriebeflüssigkeit ablaufen lassen.

9 Den letzten verbliebenen Haltebolzen ebenfalls lösen und die Wanne abnehmen. Nun den Ölfilter und den 0- ing entfernen (S. Abbildung).

10 Nun die Ölwanne und den Filter auf das Vorhandensein von Ablagerungen wie z. B. Metallpartikel, Kupplungsplatten- Beschichtungsmaterial, Gummi- oder Kunststoffpartikel und Kühlmittel untersuchen. Wird einer der eben beschriebenen Fremdstoffe vorgefunden, so ist das Getriebe genauestens untersucht und durch einen Fachbetrieb instandgesetzt werden.

11 Die Dichtfläche der Ölwanne und des Getriebegehäuses gründlich reinigen, hierbei sämtliche Überreste alten Dichtungsmaterials entfemen. Wurde die atte Dichtung mit RTV-Dichtungsmaterial behandelt, so sind dessen Überreste mit einem Plastikrakel abgekratzt werden. Das Gehäuse mit einem Lappen trocknen.

12 Die Ölwanne und deren Dfchtfläche mit einer geeigneten Reinigungslösung säubern und trocknen lassen. Hierzu ist nach Möglichkeit Druckluft zu verwenden, ist diese nicht vorhanden, kann die Wanne auch mit einem sauberen Lappen getrocknet werden. Nochmals sicherstellen, das keine Überreste alter RTVDichtmasse an den Dichtflächen oder der Wanne zurückgeblieben sind.

13 Den neuen Filter einsetzten und den 0-Ring anbringen. Den 0-Ring mit Petroleum-Gelee einschmieren.

14 Nun die Getriebeflüssigkeitswanne wieder anbringen, hierzu ist eine neue Dichtung zu verwenden. Die Haltebolzen der Ölwanne mit dem dafür vorgesehenen Anzugsmoment anziehen. Bei Fahrzeugen des Baujahres 1984 kann wahlweise eine Dichtung oder RTV-Dichtmittel verwendet werden. Wurde eine Wanne neuerer Bauform (zu erkennen an der Erhebung auf der Dichtfläche) verwendet oder werden Haltebolzen mit konischen Unterlegscheiben verwendet, so ist unbedingt eine Dichtung zu verwenden.

15 Das Fahrzeug absenken.

16 Das Fahrzeug mit der vorgeschriebenen Menge der jeweiligen Automatikgetriebe-Flüssigkeit durch den Einfüllstutzen befüllen (S. Anfang dieses Kapitels). Um das Verspritzen oder Vorbeilaufen von Getriebeflüssigkeit zu vermeiden, sollte ein Trichter verwendet werden. Jeweils nur kleinere Mengen von Flüssigkeit einfüllen und mehrmals den Füllstand am Peilstab kontrollieren (Abschnitt 4). Es kann einige Zeit dauern, bis die Getriebeölwanne gefüllt ist.

17 Das Fahrzeug auf ebenem Untergrund abstellen. Den Wählheben in 'Park'-Stellung schalten und die Handbremse anziehen.

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Explosionszeichnung: Getriebeflüssigkeitswanne und ATF-Filter
A) 0-Ring (Dichtring)
C) ATF-Wannendichtung
E) Haltebolzen ATF
B) ATF-Fihter
C) ATF-Wanne

WASHER SEPARATE PIECE BUT NOT REMOVABLE
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Diese Haltebolzen werden bei Fahrzeugen mit der 'neuen' Getriebewanne ab 1985 verwendet.

18 Nun den Motor anlassen ohne hierbei das Gaspedal zu betätigen (sofern möglich). Den Motor bei Leerlaufdrehzahl laufen lassen.

19 Den Wählhebel mehrmals durch sämtliche Fahrstufen bewegen.

20 Den Wählhebel erneut in 'Park'-Stellung bringen und bei laufendem Motor nochmals anhand des Peilstabes den ATFlüssigkeitsstand ermitteln. Er sollte in dem durchkreuzten Bereich des Peilstabes liegen. Achtung: Unter keinen Umständen darf das Getriebe mit zuviel ATF befüllt werden. Überfüllung kann Schaumbildung bewirken, hierdurch kann das Getriebe beschädigt oder im ungüstigsten Fall zerstört werden.

21 Die Unterseite des Fahrzeugs im Bereich der ATF-Wanne auf Leckagen untersuchen.

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Weist die jeweilige Getriebeflüssigkeitswanne auf der Dichtfläche eine Erhebung auf, so darf die Wanne nur in Verbindung der jeweils passenden Dichtung montiert werden.

22 Den Peilstab in die entsprechende Röhre einstecken und den Motor und das Getriebe auf Betriebstemperatur bringen. Hierzu sind ca. 20 km auf der Landstraße bei normaler Geschwindigkeit zu fahren, im Stadtverkehr evtl. etwas weniger.

23 Das Fahrzeug auf einer ebenen Fläche abstellen und erneut auf Leckagen untersuchen.

24 Bei mit Leerlaufdrehzahl laufendem Motor erneut den Peilstab herausziehen und den Füllstand des ATF überprüfen. Der Stand sollte nun das obere Ende des durchkreuzten Bereichs erreicht haben. Sollte dies nicht der Fall sein, so ist die entsprechende Menge ATF nachzufüllen. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß das Getriebe unter keinen Umständen mit zuviel ATF befüllt werden darf.