Beitrag Fr 21. Sep 2012, 17:54

01. Lebenslauf

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Pontiacs Fiero - die verspielte Chance. 1984 trat die GM-Tochter Pontiac mit einem völlig neuen Fahrzeug an, um den amerikanischen Sportwagenmarkt zu erobern. Das Design und der Aufbau dieses Wagens, der 1979 von Elliot M. "Pete" Estes iniziiert worden war, sollten wegweisend für die automobile Zukunft bei Pontiac werden und der Konkurrenz, vor allen aus Fernost, den Wind aus den Segeln nehmen.
Doch die Chance, mit dem so viel versprechenden Konzept eines preiswerten Mittelmotorsportwagens auf Siegeskurs zu gehen, wurde durch schlecht gemachte Hausaufgaben verspielt: Mangelnde Leistung und Lebensdauer des zuerst angebotenen Vierzylindermotors ruinierten den Ruf des Wagens und Gerüchte über Motorbrände gaben ihm den Rest.

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(Innen-)Ansichtssache: Fiero GT mit Schaftgetriebe

Erst die "Wiederentdeckung" des Fiero durch die Branche der ReplikaHersteller rehabilitierte den zu unrecht geschmähten Sportwagen, der bei seiner Produktionsaufnahme 1984 seiner Zeit wahrscheinlich einfach zu weit voraus war.
Zeitgleich mit der Entstehung des Fiero bahnte sich in einem anderen GM-Tochterunternehmen ein Generationswechsel an, der nicht ohne Auswirkungen blieb: Chevrolet war dabei, die seit 1968 gefertigte "Coke-botde-Corvette"-Generation in Rente zu schicken und durch eine völlige Neukonstruktion zu ersetzen.
Die neue Corvette erhielt anstatt des traditionellen Leiterrahmens eines selbsttragende Stahlskelett-Konstruktion, die von den Technikern klangvoll "Spaceframe" getauft wurde und auch die dann die GFK-Teile der Außenbeplankung laminiert wurden.
Von dieser Lösung versprachen sich die Entwicklungsingenieure eine größere Steifigkeit und passive Sicherheit für die Insassen bei gleichzeitiger Gewichtsersparnis.
Dieses neue "Spaceframe"-Konzept übernahmen auch die PontiacTechniker für den Fiero, jedoch mit dem Unterschied, daß die Außenbeplankung aus Kunststoff so weit wie möglich auf den Rahmen geschraubt wurde, um die Servicefreundlichkeit zu erhöhen.
Im Gegensatz zu den Chevrolet-Designern, die sich im Laufe der Corvette-Geschichte immer wieder mit Mittelmotor-Studien beschäftigt hatten und diese schließlich aus Kostengründen "ad akta" legten, setzten sich die Designer des Fiero mit diesem Antriebskonzept bei ihren Vorgesetzten durch, denen der Fiero vom Projektleiter schlicht als "commuter-car" "verkauft" wurde ! Zusätzlich dürfte der Erfolg von kompakten Sportwagen, wie dem des Fiat X1/9, den Fiero-Designern den Rücken gestärkt haben, so daß sie "grünes Licht' bekamen, um den Fiero schließlich zur Serienreife weiterzuentwickeln.

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Deutlich zu erkennen ist hier die Rahmenkonstruktion

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Swirl-Port" Zylinderkopf "

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Die Rahmenbeplankung aus "Enduraflex"

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Totgesagte leben länger: Auf Wunsch sorgte der Chevrolet L44-V6, versehen mit einer Mehrventil-Einspritzanlage im Fiero für Vortrieb

Unter enormen Druck der Firmenleitung, die Kosten so gering wie möglich zu haken, mußten Dave Holls, Chef des "GM Advanced Design Studio" und R. C. Hill tief in das GM-Regal greifen und so manchen unliebsamen Kompromiß eingehen, von denen der schwerwiegendste, die Motorenwahl, sich bitter rächen sollte.
Obwohl der Fiero von vorneherein als V6 geplant war, lief er aus Kostengründen ab 1984 zunächst als magerer 2,5 Liter Vierzylinder vom Band, der als Basisfahrzeug, SE- und Sport-Version lieferbar war.
Der verwendete "Iron-Duke"-Motor, der über elektronische Benzineinspritzung und "swirl-port"-Zylinderkopf verfügte, lieferte dabei lediglich 95 PS (70 kW), die dem "schnellen Outfit" des Wagens nie gerecht werden konnten.
Da der Fiero vor allem unter dem Aspekt "Kraftstoffersparnis" gestaltet worden war, ging der zeitgenössische Verkaufsprospekt elegant über diesen Punkt hinweg und offerierte dem Leser stattdessen eine raumfüllende Verbrauchwertetabelle !
Dennoch wurde der Fiero zum offiziellen Pace Car für das rennomierte Indianapolis 500 Rennen gekürt!
Drei Wagen wurden zu diesem Zweck mit modifizierter 2,7 Liter Motorisierung (u. a.: feingewuchtete Schmiedekurbelwelle, highperformance Zylinderkopf) und geänderter Front, Seiten- und Heckschürze, sowie einem futuristischem Lufteinlaß"vor dem Heckfenster ausgerüstet. Besonderer Kick: Eine Positionsleuchte auf der Rückseite des "Schnorchels", die von einer Boeing 747 stammte ! Immerhin, diese original Pace-Cars waren für 136 mph gut.
Der Verkauf des Fiero lieft nicht zuletzt aufgrund solch positiver Werbung gut an, so daß insgesamt 136.840 Wagen im ersten Produktionsjahr abgesetzt werden konnten. Auch der Aftermarket entdeckte den Fiero schnell und sog. "Grund Effect Kits" konnten ebenso erworben werden, wie eine Turbo-Option von Mecham Racing, in Glendale / Arizona, die satte 1.795 US-$ kostete.
Zugleich verbreitete sich unter den potentiellen Käufern jedoch schnell das Gerücht von zahlreichen Motorbränden der ersten Modelle, während immer wieder die schlechte Motorleistung das Negativ-Image des Fiero schürte. Der kompakte Mittelmotor-Zweisitzer fuhr sich zwar wie ein vollwertiger Sportwagen, doch fehlende Servolenkung, geringe Leistung, eine schwergängige Schaltung und hart arbeitende Kupplung trübten den Fahrspaß gewaltig. Hinzu kamen eine schlechte Verarbeitungsqualität, knackende und quitschende Karosseriekomponenten, sowie thermische Probleme des Motors, die dem Ruf des Fiero schnell den Rest gaben.
Im folgenden Produktionsjahr konnten so nur noch ganze 76.371 Käufer für den Fiero gefunden werden, obwohl 1985 auch der langersehnte V6 in Produktion ging !
Pontiac bemühte sich die "Krankheiten" des ersten Modelljahres zu beheben und führte zahlreiche Verbesserungen durch.
So wurde der Vierzylinder mit einem Isuzu-Fünfganggetriebe versehen, der Vierzylinder überarbeitet und nun "Tech IV" getauft, die Kupplung leichtgängiger gestaltet.
Der 145 PS starke V6 wurde zur Standard-Motorisierung der neu eingeführten GT-Version und konnte, alternativ zum "fron Duke", auch bei der Sport Coupä und SE-Version geordert werden.
Dennoch konnten auch diese Bemühungen den Image-Verlust nicht ausgleichen, denn lediglich 22.534 Käufer entschieden sich '85 für die GT-Variante.

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Eines der Indy-5500-Pace Cars.


Für das Modelljahr '86 hatten sich die Pontiac-Techniker bemüht, nochmals den Vierzylinder zu verbessern und mit einer zusätzlichen Veränderung der Position des Triebwerks die Vbrationsprobleme in den Griff zu bekommen, die die Karosseriegeräusche verursachten.
Auch das Design war zugleich überarbeitet worden, so daß sich der Wagen nun als elegantes Fastback-Coupä präsentierte, dessen verlängerte Dachlinie, neue Heckscheibe und Rückleuchten eine echte Verbesserung darstellte.

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Ab 1986 auch als Fastback "zu haben", hier Wo ist der Tankverschluß ?


Die Reaktion des Publikums auch diesen "aufgewerteten" Fiero war zwar positiv, denn 83.974 Fahrzeuge konnten verkauft werden, doch der nächst Tiefschlag ließ nicht lange auf sich warten: Tests hatten die "Enduraflex"-Kunststoffbeplankung in den Ruf gebracht, giftige Dämpfe zu entwickeln, wenn sie Feuer fing.
In Zusammenhang mit dem Image, ohnehin ein "heißes Fahrzeug" zu sein, war dies der Todesstoß für den Fiero: Das '87er Modell fand gerade noch 46.581 "Todesmutige" Abnehmer !
Obwohl die letzten Modelljahr zu den ausgereiftesten zählten, sackten die Verkaufszahlen ins Bodenlose.
Ein Paradoxon: Der kleine Sportwagen wurde ständig besser, während zugleich immer weniger Kunden bereit waren, sich einen Fiero in die Garage zu stellen. Vermutlich lag der Grund in dem glücklosen Namen, der auch nach Einführung des modifizierten Designs beibehalten wurde.
Nur sechs Monate vor Produktionsbeginn einer neuen Fiero-Generation kam dann am 1. März 1988 das "Aus" für den Fiero, der besser war als sein Ruf. Im gleichen Monat, am 24.3.1988 starb auch der Initiator des Fiero, "Pete" Estes, eine Ironie des Schicksals ?

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1984 stellte Pontiac ein kleines Mittelmotor-Coups namens Fiero vor, bestückt mit einem 2,5-1-Vierzylindermotor. Ein nettes Sportwägelchen für Sekretärinnen, so die einhellige Meinung. Und dann tauchte dieser automobile David auf US-Rundstrecken auf, forderte mit einer Handvoll Dollar in der Tasche die schwerreichen Werks-Goliaths des Rennsports heraus